Papa spricht über … Lernspiele von The Brainy Band

Wie einige vielleicht mitbekommen haben, war ich im Februar in Nürnberg auf der Spielwarenmesse, um mich über die kommenden Kinderspiele zu informieren. Als ich also so durch die Gänge schlenderte, und mich wunderte, was alle an diesen Miniaturen-Spielen von Asmodee/Heidelberger so finden, sah ich hinter mir einen kleinen Stand. Über dem Stand: The Brainy Band-Educational Games. Warum nicht, dachte ich.

Ich habe dort dann wirklich nette Gespräche über Lernspiele führen können, und erfahren, was deren Motivation hinter den Spielen ist. Ich dachte nur: Pffft Lernspiele sind doch langweilig. Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, ich habe mich noch nicht viel damit beschäftigt. Ich kannte die paar Ravensburger Spiele, die man in jedem besser sortiertem Supermarkt kaufen kann, ein paar Spiele von Noris und die tollen LÜK Kästen, mit denen ich, als Kind schon, in der Schule gespielt habe. Mein Knopf wird auch erst 5, und so wirklich wichtig ist das ja noch nicht. Wobei ich hier die Rechnung ohne den Knopf gemacht habe: Nicht nur, fängt er plötzlich an, Zahlen zu addieren (im Zahlenraum von zwei W6 :)), er hat auch ein enormes Interesse an Buchstaben, das müssen die Gene meiner Frau sein.

Nunja, ich stelle euch jetzt mal zwei Spiele, Hurricount und Multimany, vor, die ich mir nach der Messe aus Estland hab kommen lassen, da sie mich gedanklich nicht losgelassen haben.

Hurricount

Das Spiel besteht aus zwei Sorten von Karten: Tierkarten und Bedingungskarten. Eine Bedingungskarte wird in die Mitte gelegt und die Tierkarten werden als Stapel verdeckt an die Spieler verteilt. Die Bedingungen in der Mitte können entweder eine Zahl sein, ein Zahlenvergleich, oder ein Tiervergleich untereinander. Die Spieler decken alle zeitgleich ihre oberste Karte auf. Sollte die Bedingung in der Mitte, zum Beispiel genau 6 Igel oder mehr Igel als Vögel, erfüllt sein, muss man seine Hand auf die Bedingungskarte legen. Es wird so lange gleichzeitig aufgedeckt, bis die Bedingung erfüllt ist. Der Gewinner nimmt alle bereits aufgedeckten Karten der anderen Spieler und nimmt sie unter seinen Nachziehstapel, und es wird eine neue Bedingungskarten aufgedeckt. Gewonnen hat der Spieler, der als letzter noch Karten aufdecken kann.

Lernziel

Die Bedingungskarten sind in Schwierigkeitsstufen eingeteilt, so dass ich das Spiel auch mit dem Knopf ausprobieren konnte. Kinder rechnen Mengen nicht zusammen, sondern zählen die Tiere auf den Karten. Das geht zwar inzwischen relativ schnell, aber nicht schnell genug für dieses Spiel. Wir Erwachsenen und ältere Kinder sehen zwei Karten mit je vier Vögeln, und wir wissen intuitiv, dass es acht Vögel sind. Wir addieren die Zahlen schnell zusammen. Somit fördert dieses Spiel diese Rechen-Technik.

Multimany

Jetzt geht es auf die Baustelle. Das erste Spiel aus dieser Box ist eine „Ich hab’s“-Variante. Es werden sechs transparente Häuserkarten ausgelegt. Diese Karten haben 1-5 Fenster, und werden diese orthogonal versetzt aufeinander gelegt, kann man dadurch das Produkt der Fenster abzählen. 3 Fenster mal 4 Fenster sind eben 12 kleine Fenster.

Eine Zahlkarte wird für alle sichtbar umgedreht, und wer nun als erster aus den 6 Karten, ohne diese anzufassen, das Produkt bilden kann, also entweder aus zwei Häuserkarten oder der Kombination aus Multiplikation und Addition (1×3=3 + 3×3=9 entspricht auch 12) darf sich die Zahlkarte nehmen. Wer am Ende die meisten Zahlenkarten hat, gewinnt.

Im zweiten Spiel werden die Häuserkarten in ein Raster ausgelegt, und der Kran in die Mitte gelegt. Die Spieler bekommen je 3 Zahlenkarten, die sie nach oben gelernten Muster erfüllen müssen. Der Kran muss nun auf eine angrenzende Karte gelegt werden. Diese Häuserkarte wird auf einen Bauplatz gelegt. Der Spieler kann nun versuchen eine seiner Zahlenkarten mit den Karten in auf dem Bauplatz zu lösen. Sollte er es schaffen, bekommt er eine neue Zahlenkarte als Ersatz. So wird weitergespielt, bis die ausliegenden Zahlenkarten, nicht mehr mit den zur Verfügung stehenden Häuserkarten erfüllt werden können. Jeder Spieler summiert nun die Werte seiner Zahlenkarten auf, und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Lernziel

Im erste Spiel ging es darum schnell zu rechnen und zu kombinieren. Hier muss man voraus planen, um die richtigen Karten auf den Bauplatz zu schaffen. Zudem sollte man auch zusehen, es dem Gegner nicht zu leicht zu machen, seine Karten zu lösen. Zudem kann man deutlich veranschaulichen, dass die Multiplikation nichts weiter ist, als eine Form von Addition.

Fazit

Ich muss jetzt im Fazit aufpassen, nicht wie ein Oberlehrer zu klingen, noch wie jemand, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Ich liebe Zahlen, Mathematik und schönes Spielmaterial. In erster Linie bin ich aber Papa und versuche natürlich die besten Voraussetzungen meine Kindern zu schaffen.

Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Lernspielen im frühen Alter, oder Chinesischkursen im Kindergarten. Auf der einen Seite finde ich extrem cool, wie schnell Kinder sowas lernen, und welchen Vorteil sie sich dadurch verschaffen können. Auf der anderen Seite, sehe ich die Gefahren die es durch zu frühe Förderung gibt. In unserem Haushalt wird extrem viel gelesen und gespielt, was natürlich schnell dazu führt, dass sich Kinder für Buchstaben, Zahlen, Rechnen und Schreiben interessieren. Ich selbst weiß aber zu genau, wie sehr ich mich oft in der Schule gelangweilt habe, und dann eben die Hälfte nicht mitbekommen habe, weil ich dachte, ich kann das doch eh schon ???? Genau in diese Falle kann man nämlich laufen, sollte ein Kind vor der Schule schon lesen und schreiben können.

Unser Knopf hat in den letzten Wochen angefangen zu rechnen… ganz von alleine, ohne irgendeinen Hinweis von mir oder meiner Frau. Er löst jetzt keine Mathematischen Gleichungen, aber er hat von alleine erkannt, dass einige Zahlen, um andere Zahlen mehr oder weniger sind. Er macht das sehr gerne, und übt es, wann immer er kann. Was sollte man als Elternteil dann tun, es ignorieren? Nein, hier gibt es eine Regel, wenn der Knopf nach etwas fragt, bekommt er eine Antwort. Er will inzwischen auch immer häufiger Worte schreiben. Zuletzt fragte er: Wie schreibt man Spätzle mit Soße (Mein Sohn!, da schlägt mein Schwabenherz ganz hoch). Wir haben uns also ne halbe Stunde zusammen gesetzt und es zusammen geschrieben. Und bevor ich klinge, wie die Eltern auf dem Spielplatz, die damit prahlen, was ihre Kinder schon alles können, will ich ein paar Worte zu denn beiden Spielen verlieren.

Hurricount war das erste Spiel, das mir gezeigt wurde auf der Messe. Und wir haben es zusammen gespielt. Ich dachte immer, ich bin schnell in solchen Aufgaben, aber der Herr am Stand, wie ich später erfahren habe, der Designer, war deutlich schneller. Also auch ein tolles Duell unter Erwachsenen, ähnlich fordernd wie SET!, falls das jemand kennt. Ich habe im kleinen Zahlenbereich, und durch aussortieren einiger Karten das Spiel mit dem Knopf ausprobiert, und es klappt tatsächlich inzwischen ganz gut. Er hatte jedenfalls Spaß an der kleinen Kopfrechenübung. Das Material und die Illustrationen sind auch toll gestaltet.

Das zweite Spiel, Multimany, konnte ich mit dem Knopf natürlich nicht spielen, aber meine Vorstellungskraft und meine Solorunde hat mir als Eindruck gereicht. Ich habe das Spiel dann zwei Arbeitskollegen mitgegeben, die das mit Ihren Kindern, die gerade die Multiplikation angefangen haben, gespielt haben. Und das Feedback war durchweg positiv. Die Kids hatten Spaß an den beiden Spielmodi und sind an ihre Grenzen, und bisschen drüber hinaus gegangen, da man mit den transparenten Karten eben auch mal ausprobieren kann. Speziell das Konstrukt, dass X mal 1 immer X ist, hat die Kinder überrascht. Dabei ist es sehr anschaulich. In der Schule wird das kleine 1×1 nämlich immer noch zuerst mal auswendig gelernt. Eine Reaktion war auch nicht schlecht, die ich hier nicht vorenthalten will: Die Erkenntnis, dass man dieses Spiel NICHT in Deutschland kaufen kann, hat zur Verwunderung des ABC-Schützen geführt.

Speziell Multimany hat auch den Spieler in mir angesprochen, denn diese transparenten Karten und das Spielprinzip hat mich lange gedanklich nicht los gelassen. Ich habe mich also auch am deutschen Lernspielmarkt etwas ungesehen, und oft nur gähnende Langeweile entdeckt. Speziell unter den Spielen, die als Lernspiel markiert sind. Lassen wir mal den TipToi außer Acht, den ich für MEGA-genial halte. Wo ich natürlich auch keinen Einblick habe, sind in Schulmaterialien, und Kleiverlage die sich dem Thema verschrieben haben. Aber deshalb hier mal ein Aufruf. Kennt jemand genau so tolle Lernspiele, oder sogar noch tollere? Kennt jemand einen Verlag, dem ich die Spiele mal zeigen könnte?

Und mich würde interessieren, was haltet Ihr von Lernspielen dieser Art.

Mich als jemand, der Naturwissenschaften liebt, und das Spielen mit Zahlen, haben dieses beiden Spiele jedenfalls komplett überzeugt. So sehr, dass ich vermutlich noch die vielen anderen Spiele der Brainy Band ausprobieren werde.

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